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alpha 2000: Kunstpreis >Europas Zukunft<. Ahmet Ögüt, Preisträger 2010
11.09.2010 - 14.11.2010
Kuratiert von Ilina Koralova

Eröffnung am 10-Sep-2010, 19 Uhr
Ahmet Ögüts Werke erfassen die tragikkomischen Momente im Alltag der Menschen, die der Erfahrung, Wahrnehmung und dem unmittelbaren Erleben sozialer, politischer und ökonomischer Umbrüche geschuldet sind. Der Künstler macht auf Elemente des Alltagslebens aufmerksam, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen mögen, die aber der Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher Bedingungen und (mitunter autoritärer) Regeln sind. Im Hintergrund der Arbeiten von Ögüt, die mittels Comic-Zeichnungen, Fotografien, Videofilmen oder Interventionen im öffentlichen Raum realisiert werden, steht die Auseinandersetzung mit seiner Heimat Türkei. Jedoch geht die Kritik über die lokalen Verhältnisse hinaus und bezieht sich auf Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft im Allgemeinen. Wichtiges Thema dabei sind die Bestrebungen der Türkei für eine Mitgliedschaft in der EU. Hier setzt die Installation >Perfect Lovers< ein, die aus zwei Münzen besteht – einer Zwei-Euro-Münze und einer türkischen Lira, die ungefähr halb soviel Wert ist wie ihr europäisches Gegenstück. Beide sehen sich überraschend ähnlich und könnten leicht verwechselt werden. Ögüt verweist auf den Kontrast zwischen zwei politischen, sozialen und kulturellen Realitäten, die einen nicht unerheblichen Raum in unseren gegenwärtigen politischen Debatten einnehmen.
Der Künstler stellt Arbeiten aus, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind, darunter die Installation >PUZZLE<, die speziell für seine Einzelausstellung in Leipzig produziert wurde. >PUZZLE< (Rätsel) ist eine interaktive Installation, die an ein Denkspiel für Kinder erinnert. Allerdings sind die >Protagonisten< des Spiels u. a. ein Bombenentschärfer, ein Selbstmordattentäter und seine behinderte Frau, ein Soldat und zwei Hunde, die einen Fluss mit einem kleinen Boot überqueren müssen. Die Spielregel schließen bestimmte Möglichkeiten zum gemeinsamen Überqueren aus, genauso wie die angespannte politische Lage mitunter den Dialog zwischen sich gegenüberstehenden Mächten unmöglich macht. Auf unterschiedliche Art und Weise greifen auch die Filme >Short Circuit< (Kurzschluss), >Light Armoured< (Leicht bewaffnet) und >Three Spots< (Drei Spots) auf das Thema >Spiel< zurück, nur dass dieses immer einen starken sozialkritischen Hintergrund hat. Wie zum Beispiel beim Video >Short Circuit<, in dem Kinder auf einer Straße am Stadtrand in der Dunkelheit hinter einem Fußball hinterher rennen. Die Nachtschwärze wird nur schwach vom Licht einer entfernten Straßenlaterne und gelegentlich von den Scheinwerfern vorbeifahrender Autos durchdrungen. Plötzlich vernimmt man das Geräusch quietschender Reifen, hört den erwarteten Aufprall. Dann verschwindet die Szene wieder im völligen Dunkel.
Ögüts Werke befassen sich, nicht ohne Ironie, mit der Absurdität des von Angst und Misstrauen geprägten Alltags und der Sinnlosigkeit mancher damit verbundener Aktivitäten. >An ordinary day of a bomb disposal robot< zeigt wie aus einer angeblich verdächtigen Tasche durch einen Roboter ein Plüschtier herausgeholt wird. Diese Roboter werden üblicherweise dafür eingesetzt, Bomben und Sprengstoffe zu neutralisieren.
Ahmet Ögüt wurde 1981 in Diyarbakir (Türkei) geboren. Er studierte in Istanbul an der Yildiz Teknik Universität, Fakultät für Kunst und Gestaltung, und in Amsterdam an der Rijksakademie van beeldende kunsten (Königliche Akademie der Bildenden Künste). Seine Werke wurden u. a. in Amsterdam, Berlin, Istanbul, Venedig, Basel, Zagreb, Ljubljana, Sydney und New York präsentiert. Er lebt und arbeitet in Amsterdam und Istanbul.
Der Kunstpreis >Europas Zukunft< wurde 2003 aus dem Wunsch heraus ins Leben gerufen, junge KünstlerInnen aus postkommunistischen Ländern für ihre künstlerische Arbeit auszuzeichnen und damit das Verstehen, das Miteinander und das Zusammenwachsen in Europa zu fördern. Der mit 5.000 Euro dotierte Kunstpreis, der inzwischen zu einem wichtigen Preis im Bereich der gegenwärtigen Kunst geworden ist, ist als eine Ermutigung für junge KünstlerInnen gedacht, ihren künstlerischen Weg fortzusetzen. 2010 wird der Preis modifiziert: Er öffnet den Kreis der AdressatInnen des Kunstpreises und bezieht künstlerische Positionen aus ganz Europa ein. Der Radius überschreitet dabei die Grenzen der Europäischen Union und bezieht sich auf einen potenziellen gemeinsamen historischen und kulturellen Raum. Preisträger 2010 ist der Künstler Ahmet Ögüt.
Die Ausstellung von Ahmet Ögüt findet im Rahmen des Jahresprojekts >Auftrag für die Kunst?< statt. Sie gehört zum Modul >Das Museum als Förderer?< Unter diesem Titel erhalten jüngere Positionen ein Forum für ihre Ideen bzw. ihre Kunstproduktion und Unterstützung in Form von Preisen und Stipendien. >Europas Zukunft<, >Inform<, das >Blinky Palermo Stipendium< oder >Raum 107<, allesamt von privater Seite initiiert und finanziert, werden zeitgleich präsentiert und in ihren verschiedenen Implikationen und Perspektiven diskutiert. Hier wird spezifisch nach der fördernden Rolle der Institution vor allem in Bezug auf den künstlerischen Nachwuchs gefragt. Dieser Punkt umfasst jedoch auch die Förderung eines gesellschaftlichen Verständnisses von Kunst.
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INFORM. Preis für konzeptionelles Gestalten. Preisträgerin 2010: Rebecca Stephany
11.09.2010 - 14.11.2010
Kuratiert von Barbara Steiner

INFORM wird seit 2007 jährlich vergeben und ist an der Schnittstelle von Grafikdesign und Kunst angesiedelt. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis stiftete Arend Oetker, Berlin. Erster Preisträger 2007 war Laurent Benner (London), gefolgt von Julia Born (Amsterdam). 2009 erhielt Rebecca Stephany (Amsterdam) den Preis. 2010 folgt eine Ausstellung mit ihren Arbeiten in der Galerie für Zeitgenössische Kunst.
Rebecca Stephany distanziert sich von Gestaltung als reiner Dienstleistung. Deutlich wird eine Autorinnen-Position formuliert, d.h. Stephany untersucht und bearbeitet ihr relevant erscheinende Themen und Aspekte, von Zeitgeist-Phänomenen bis hin zur Kunst-, Design und Kulturgeschichte. Die jeweils gewählte Formensprache hängt von der Aufgabe, der Situation und dem Kontext ab, in dem sie agiert. Der Entstehungsprozess der Arbeiten bleibt sichtbar. Methodische Sackgassen, als peinlich empfundene oder aus sonstigen Gründen verworfene Ideen werden nicht versteckt, sondern gezeigt. Scheitern – ein Nichterreichen eigener oder auch fremder Ansprüche – ist ein integraler Bestandteil von Stephanys Arbeit. Dies erlaubt ihr in hohem Maße, Kunst und Design, ihre jeweiligen Traditionen, Standards und Regeln herauszufordern und die Wahrnehmung bzw. das Verständnis von Kunst, Design und ihrer Beziehung zueinander neu zu befragen.
Rebecca Stephany wurde 1980 in Wittlich, Deutschland, geboren. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam. Stephany studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main Visuelle Kommunikation und Grafikdesign an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Seit 2007 unterrichtet sie Grafikdesign an der Gerrit Rietveld Academie, ebenfalls in Amsterdam. In den Jahren 2010 und 2011 ist sie >resident artist< an der renommierten Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam.
TRACK CHANGES
11.09.2010 - 14.11.2010
Kuratiert von Zane Zajanckauska
KünstlerInnen: Markus Ambach (DE), Reinhard Krehl (DE), Kate Krolle (LV), Līga Laurenoviča (LV), Kārlis Lesiņš (LV), Ingrīda Pičukāne (LV), Laura Stasiulyte (LT)

Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung des Programms >Kulturmanager aus Mittel- und Osteuropa'<
Eröffnung 10.09.2010 19 Uhr
Sieben KünstlerInnen wurden aufgefordert, sich mit Kleingärten in der Stadt als besondere Form der Wechselbeziehung von Stadt und Natur, als besondere Lebensart und Form der Sozialisierung zu beschäftigen. Die KünstlerInnen setzen sich mit der Disziplinierung der Natur in der Stadtlandschaft, mit der Nützlichkeit und dem Schönen sowie mit Beobachtungen, wie sich die ökonomischen Veränderungen und der Wertewandel in der Stadtlandschaft widerspiegeln, auseinander. Die im Rahmen des Projektes entstandenen Arbeiten werden in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig vom 10. September bis 14. November ausgestellt.
In Deutschland werden die Kleingartenanlagen Kolonien genannt. So sehen sie auch aus: als Elemente, die der Stadt scheinbar angehören, jedoch eindeutig ihre Autonomie manifestieren. Die KünstlerInnen forschen darüber, wie kontrolliert und diszipliniert der Ort ist, der in der Stadt der Natur zur Verfügung gestellt wird, und stellen unsere Vorstellungen vom Natürlichen in Frage. Ist die Art und Weise, wie das Museum Kunstwerke zeigt und dekontextualisiert, nicht die gleiche, wie die Naturfragmente in der Stadt auftauchen?
Die KünstlerInnen fragen auch danach, wie sich die gesellschaftliche Änderungen in der Stadtlandschaft zeigen, und wie sich unsere Vorstellungen von Produktivität entwickeln: Was zählt als zweckmäßig genutzter Stadtraum, zweckmäßig genutzte Zeit, zweckmäßig verbrachtes Leben? Wie werden das Nützliche und das Schöne definiert, und was geschieht, wenn sich diese Bedeutungen verschieben?
Ein Teil der künstlerischen Werken wird von 3. bis 5. September in Riga, als Teil des Kunstfestivals 'Survival Kit' zu sehen sein.
Als ein Satelliten-Projekt gibt das lettische Magazin >kuš!< eine Spezialausgabe mit Comic- und Fotogeschichten von IllustratorInnen aus Riga und Leipzig sowie der Schweiz, Schweden, Spanien, Finnland, Japan, Mexiko und den Vereinigten Staaten zum Thema (Schreber-)Gärten heraus.
Das Projekt 'Track Changes' ist Gewinner des Wettbewerbs kultur-im-dialog.moe 2010, - ein Programm der Schering Stiftung und des MitOst e.V. Weiterhin wird TRACK CHANGES gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, des Institut für Auslandsbeziehungen, die Kulturstiftung Lettlands und die Riga Stadt Kulturstiftung.
Projektpartner: Lettisches Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Deutsches Kleingärtenmuseum in Leipzig, Das lettische Magazin >kuš!<.
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Modul: Das Museum als Unternehmer?
Das >Museum als Unternehmer?< widmet sich den Geschäftsbetrieben des Museums, wie etwa Buchladen, Hotel und Café. KünstlerInnen, u.a. Bernhard Cella (Buchladen), Jun Yang (Hotelraum) und Apolonija ©u¹ter¹iè und Meike Schalk (Café) befassen sich unter diesem Titel mit funktionalen, ökonomischen, sozialen und ästhetischen Aufgaben, mit Funktionen bzw. Funktionalität, existierenden Nutzungsformen und ökonomischen Modellen gleichermaßen und entwickeln alternative Konzepte des Wirtschaftens.
Das GfZK-Hotel. Jun Yang
26.11.2010 - 00.00.0000
Kuratiert von Barbara Steiner
>Paris Syndrom< ist ein Krankheitsbild japanischer Touristen, deren Vorstellungen von Paris vor Ort enttäuscht wurden. Sie erleiden eine Art negativen Kulturschock, der nahe einer Traumatisierung ist.
Dieses Phänomen bildet die Grundlage für die Konzeption des geplanten Hotelzimmers der GfZK. Dieses Hotelzimmer bildet das Begehren nach außergewöhnlichen Erfahrungen, Orten, aber auch nach Design- und Konsumgütern ab. Doch lässt es sich nicht in der angestrebten, erhofften Art und Weise einlösen. Anstelle der Originale trifft man auf Nachbildungen. So sind die Sessel mit einem Louis-Vuitton-Imitat bezogen, pompös wirkende Lüster hängen an der Decke des Zimmers, die ihrerseits mit Stuckelementen besetzt ist. Die Stühle erinnern an das Design von Charles und Ray Eames, die Tische an französische Bistro-Tische, die Fotografien an den Wänden zeigen berühmte Bauten der Architekturgeschichte, die an verschiedenen Orten der Welt nachgebaut wurden. Zeitschriften wie die französische >Vogue< oder >Wallpaper< liegen aus. Die Nachahmungen entpuppen sich als eigenständige und eigenwillige Interpretationen.
Eine Nacht in diesem ungewöhnlichen Hotel (Eröffnung 26.11.2010) wird 100,00 Euro (inklusive Frühstück) kosten. Buchungen sind unter collection@gfzk.de möglich.
Unter dem Titel >Paris Syndrome< wurden im Lauf der letzten drei Jahre verschiedene Projekte realisiert:
Cafe Paris Syndrom, GfZK Leipzig, 2007-2010
Paris Syndrome Ausstellung, Vitamin Creative Space, Guangzhou, 2008
Paris Syndrome at the CIGE Art Fair, Beijing; frieze art fair, London, 2008
Das Hotel setzt diese Projektreihe fort und schließt sie ab.
RAUM 107: Stephanie Kiwitt
27.11.2010 - 30.01.2011
Kuratiert von Julia Schäfer

Modul: Das Museum als Unternehmer?
Das >Museum als Unternehmer?< widmet sich den Geschäftsbetrieben des Museums, wie etwa Buchladen, Hotel und Café. KünstlerInnen, u.a. Bernhard Cella (Buchladen), Jun Yang (Hotelraum) und Apolonija Šušteršič; und Meike Schalk (Café) befassen sich unter diesem Titel mit funktionalen, ökonomischen, sozialen und ästhetischen Aufgaben, mit Funktionen bzw. Funktionalität, existierenden Nutzungsformen und ökonomischen Modellen gleichermaßen und entwickeln alternative Konzepte des Wirtschaftens.
Das Café Neubau. Apolonija Šušteršč und Meike Schalk
10.12.2010 - 00.00.2012
Kuratiert von Julia Schäfer, Zane Zajanckauska, Nino Palavandishvili
KünstlerInnen: Apolonija Šušteršič, Meike Schalk
KAFIČ
Alle zwei Jahre wird das Café der GfZK von KünstlerInnen neu gestaltet. Im Neubau waren dies bisher Anita Leisz, danach Jun Yang. Für 2010 haben wir Apolonija Šušteršič und Meike Schalk eingeladen. Das geplante Café KAFIč orientiert sich in seiner Herkunft an der arabischen Caféhaustradition. KAFIč bedeutet im Slowenischen Eckcafé, der Name kommt jedoch ursprünglich aus dem Bosnischen, wobei Schriftweise und auch Aussprache dem Slowenischen angepasst wurden. Für Leipzig arbeiten Šušteršič und Schalk an der Konzeption eines Cafés, das bei den verschiedenen Partnerstädten Leipzigs seinen Ausgangspunkt nimmt. Mit dem Café soll ein Ort entstehen, an dem verschiedene Kulturen zusammenkommen, sich einen Raum schaffen und teilen. Dies wird auch am Mobiliar sichtbar und ablesbar sein. Die Struktur orientiert sich an den verschiedenen Funktionen des Ortes Café, das Museumscafé, Club, Veranstaltungsort und Treffpunkt verschiedener Szenen gleichermaßen ist.
Die Ausstattung des alten Cafés verschwindet langsam und wird durch neue Elemente, die sukzessive produziert werden, ersetzt. Startschuss für das Café KAFIČ bildet eine Food Fair: Leipziger Gerichte aus aller Welt, der am 10. September im Café der GfZK stattfindet.
Bevor im Dezember 2010 das neue Café komplett fertig gestellt sein wird, finden drei Veranstaltungen statt, in denen Fragen nach dem kulturellen Austausch, dessen Konfliktpotenzial, der Gastfreundschaft sowie der Gastfeindschaft nachgegangen wird.
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